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Scheiternde Helden

Ruth Florack

In der Literatur ist Scheitern geradezu ein Topos: Indem der
Held scheitert, wird der Blick der Leser*innen auf die Umstände
gelenkt, die seine Pläne durchkreuzt, seine Entwicklung
verhindert haben. Dieses bewährte Muster nutzen zeitgenössische
Romane, in denen Nachgeborene sich bewusst mit der
Shoah auseinandersetzen, auf produktiv-provozierende Weise.
So erzählt etwa Jonathan Safran Foer in seinem viel beachteten
Roman „Alles ist erleuchtet“ (dt. 2003) in einer ungewöhnlichen
Form und Sprache davon, wie sich ein junger Amerikaner in der
Ukraine vergeblich auf die Suche nach Spuren seiner jüdischen
Vorfahren macht - was er sucht, muss Imagination bleiben.
Und Yishai Sarid lässt in seinem lakonischen Roman „Monster“
(dt. 2019) einen jungen israelischen Historiker, der regelmäßig
Schulklassen durch KZ-Gedenkstätten in Polen führt, zunehmend
verzweifeln in seinem Bemühen, eine aktive Rolle in der
offiziellen Gedenkkultur zu übernehmen.
Ausgehend von den Erzählmodellen in diesen beiden Romanen
fragt der Vortrag danach, welche Funktion dem Motiv des
Scheiterns in der literarischen Reflexion zeitgenössischer Debatten
um Erinnerungskultur nach dem Verstummen der Zeitzeugen
zukommt.


Ruth Florack ist Professorin für Neuere deutsche Literatur an
der Universität Göttingen.

Mittwoch, 30.06.2021
Beginn: 18:00
Ende: 20:00
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Ende: 20:00