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Forschungsfeld 1: Kulturen des Wissens

PROFIL

Das Forschungsfeld führt eine lange Reihe erfolgreicher Forschungen in den Frankfurter historischen Geisteswissenschaften weiter, in denen verschiedene Aspekte und Ebenen der Beziehungen zwischen kulturellen Wissenssystemen und Gesellschaften untersucht wurden. Dabei geht es ebenso um die(Sub-)kulturen, die durch bestimmte Wissenssysteme (etwa die Wissenschaften) innerhalb einer Gesellschaft gebildet wurden und werden, wie um die kulturellen Wissenssysteme in verschiedenen(europäischen und außereuropäischen) Gesellschaften und ihre historische Veränderung. Das Forschungsfeld bedient sich zur Untersuchung dieser Beziehungen unterschiedlicher Methoden, die von der historischen Epistemologie bis zu kulturwissenschaftlichen Methoden zum Studium der konkreten Formen, Praktiken und Medien des Wissens reichen. Die historische Epistemologie untersucht die Erkenntnisprozesse aller Wissensgebiete der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften in einer konsequent historischen Perspektive. Sie geht davon aus, dass nicht nur die Erkenntnisgegenstände und -inhalte, sondern auch die Erkenntnisformen und -praktiken aller Wissenssysteme sich historisch wandeln. Damit geht sie über eine chronistische Disziplingeschichte einzelner Wissenschaften hinaus. Ihre Fragestellung berührt philosophische Grundfragen (Was galt in der Erkenntnispraxis verschiedener Zeiten und Wissenschaften jeweils als Wissen? Wie wurden jeweils die Grundkategorien und methodischen Praktiken wissenschaftlichen Erkennens gefasst?) und sie trägt durch die historische und vergleichend empirische Untersuchung der Wandlungen des Wissens- und Wissenschaftsverständnisses auch dazu bei, deren aktuelles Verständnis in einem globalen Horizont zu refektieren. In kulturwissenschaftlicher Perspektive stehen insbesondere die Formen, Verfahren und Objekte des kulturellen Beobachtens, Ordnens und Beschreibens, des Sammelns und Bewahrens, des Erinnerns und Vergessens, des Experimentierens, Vergleichens und Verstehens im Mittelpunkt. Erforscht wird zudem die historische und kulturelle Transformation und Migration von Wissensbeständen. Diese Perspektive erfordert eine breite soziale, politische, ökonomische und kulturelle Kontextualisierung, durch welche Wissen als kulturelles und symbolisches Kapital, als Form der Disziplinierung und Professionalisierung, der Instrumentalisierung und Popularisierung auch hinsichtlich des gesellschaftlichen Status der Wissensakteure in den Blick genommen werden kann. Aus diesem Blickwinkel wird auch das disziplinäre Wissen der Kultur- und Geisteswissenschaften einschließlich seiner Praktiken und epistemischen Ansprüche zum Gegenstand, sowie die Frage, welches Wissen die Künste, die populäre Kultur oder politische Emanzipationsbewegungen produzieren und den Wissenschaften zur Verfügung bzw. entgegenstellen.

Im Horizont einer sich wandelnden und zunehmend regionale Grenzen überschreitenden Gesellschaft können solche Fragen nur im transregionalen und transkulturellen Vergleich fruchtbar verfolgt werden. Dabei spielen – insbesondere mit Bezug auf nicht-europäische Traditionen – neben der Rekonstruktion und kritischen Einordnung von Wissensbeständen verschiedener Kulturen auch Aspekte der Klassifkation, Reklassifkation und Disziplinentstehung bzw. der (häufg rückwirkenden) Disziplinierung des Wissens eine entscheidende Rolle. Ständig zu berücksichtigen sind dabei Praktiken des Übersetzens sowie Fragen der Terminologie und der Begrifsgeschichte in transkultureller Perspektive. Das gilt nicht zuletzt deshalb, weil diese Prozesse von großer Bedeutung für die Konstitution des Forschungsgegenstandes sind und deshalb im Untersuchungsprozess ständig kritisch hinterfragt werden müssen. Durch die Einbeziehung der wissenschaftlichen Sammlungen an der Goethe-Universität in die Aktivitäten des Forschungsfeldes fndet zudem eine Auseinandersetzung mit allen an der Frankfurter Universität präsenten (historischen und aktuellen) Wissenskulturen statt.

LEITUNG

REFERENZLITERATUR

  • Iwo Amelung: "Historiography of Science and Technology in China. The First Phase". In: Jing Tsu, Benjamin Elman (eds.), Science and Technology in Modern China, 1880s-1940s. Leiden, Boston: Brill, 2014, S. 39-65.
  • Roland Borgards, Harald Neumeyer, Nicolas Pethes, Yvonne Wübben (Hg.): Literatur und Wissen. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart: Metzler 2013
  • Andrea Bréard: Nine Chapters of Mathematical Modernity. Essays on the Global Historical Entanglements of the Science of Numbers in China, Heidelberg: Springer, 2019.
  • Lorraine Daston (Hg.): Things that Talk. Object Lessons from Art and Science. New York: Zone Books, 2004.
  • Moritz Epple und Claus Zittel (Hg.): Science as Cultural Practice. Vol. 1: Cultures and Politics of Research from the Early Modern Period to the rge of Extremes. Berlin: Akademie Verlag, 2010.
  • Moritz Epple, Annette Imhausen und Falk Müller (Hg.): Weak Knowledge. Forms, Functions, and Dynamics. Frankfurt am Main: Campus, 2019.
  • Johannes Fried und Michael Stolleis (Hg.): Wissenskulturen. Über die Erzeugung und Weitergabe von Wissen. Frankfurt am Main 2009.
  • Marta Hanson: Speaking of Epidemics in Chinese Medicine. Disease and the Geographic Imagination in Late Imperial China. London: Routledge, 2011.
  • Anke te Heesen und Petra Lutz (Hg.): Dingwelten. Das Museum als Erkenntnisort. Köln/Weimar: Böhlau, 2005.
  • Jochen Henning und Udo Andraschke: WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin. München: Hirmer, 2010.
  • Joachim Kurtz: The Discovery of Chinese Logic (Modern Chinese Philosophy 1). Leiden: Brill, 2011.

VERBUND-, GRUPPEN- UND EINZELFORSCHUNGEN

ABGESCHLOSSENE PROJEKTE

STUDIENGRUPPEN

VERANSTALTUNGEN

Als regelmäßige Veranstaltung des Forschungsfeldes findet während der Vorlesungszeit wöchentlich (Di 18-20 Uhr) das Wissenschaftshistorische Kolloquium statt. Es steht allen am Forschungsfeld Interessierten als Forum zum Austausch über methodische Fragen der Historischen Epistemologie und der Wissenschaftsgeschichte offen.