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Workshop „Situierte Gewässer“

Organisation: Prof. Dr. Roland Borgards, Prof. Dr. Frederike Felcht, Prof. Dr. Frederike Middelhoff

„Waters are situated, lively, and shared“, schreibt die Architektin Cecilia Chen in ihrem Beitrag „Mapping Waters: Thinking with Watery Places“ (2013). Chen betont die Vielfalt von Gewässern und den unterschiedlichen Beziehungen, die durch sie und durch die sie entstehen. Ihre Position ist in den Blue Humanities breit akzeptiert, dennoch setzen viele Arbeiten dieser Forschungsströmung sich überraschend wenig mit ökosystemischen Eigenschaften konkreter Gewässer auseinander. So geht Sidney I. Dobrin in Blue Ecocriticism and the Oceanic Imperative (2021) von „the ocean“ aus, um zu unterstreichen, dass es sich dabei um einen „singular aquatic body“(1) handele – entsprechend global ist sein Blick auf ökologische Zusammenhänge. Diesem (ebenfalls wichtigen) globalen Blick möchten wir eine lokal verankerte und kulturhistorisch situierte Perspektive zur Seite stellen.

Damit möchten wir ein Gegengewicht gegen die Abstraktion setzen, die sich in der Moderne vollzieht und die Jamie Linton in What Is Water? (2010) beschreibt: Wasser wird als Ressource gemanagt, durch H2O repräsentiert und durch technische Infrastrukturen fixiert, unter Absehung von vielfältigen sozialen, kulturellen und ökologischen Kontexten. Die sozialen Beziehungen des Wassers möchten wir aber nicht so stark vom menschlichen Körper aus denken, wie es beispielsweise in Astrida Neimanis’ hydrofeministischer Studie Bodies of Water (2017) geschieht. Neimanis betont die Notwendigkeit, von lokalen Körpern aus zu denken – doch wir erfahren wenig über die Funktionsweisen von „bodies of water“ außerhalb menschlicher Körper. Auch die Umweltgeschichte von Gewässern und ihre geographische Einbettung werden in den Blue Humanities oft kaum bedacht. 

Diese Beobachtungen sind der Ausgangspunkt unseres literatur- und kulturwissenschaftlichen Workshops, in dem wir einen Austausch anbahnen und die Situiertheit von Gewässern (Meere ebenso wie Binnengewässer) in den Blick nehmen möchten. Ziel ist es, kulturelle Repräsentationen solch situierter Gewässer (z.B. in Literatur, Film, Performancekunst) mit den konkreten ökologischen Eigenschaften dieser Wasserkörper zusammenzudenken. Damit möchten wir zugleich darüber nachdenken, wie literatur- und kulturwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Perspektiven auf situierte Gewässer sich zueinander verhalten und welchen Beitrag die Environmental Humanities zu einer ökologischen Bildung leisten können. Dabei steht das gegenseitige Kennenlernen von Forschenden der Goethe-Universität im Vordergrund, die zu Gewässern aus einer Perspektive der Environmental Humanities arbeiten oder sich für eine Erweiterung ihrer bisherigen Arbeit in diese Richtung interessieren.

Wir laden Forschende aller Karrierestufen herzlich ein, sich bis zum 1.5.2026 bei felcht@em.uni-frankfurt.de anzumelden. Der Workshop findet am 22.6. von 10-15 Uhr (inklusive Mittagspause) im FZHG, IG-Farben Haus, Raum 1.414, statt.

Geplant sind ein Impulsvortrag und eine Gesprächsrunde, in der jede*r informell seine*ihre Forschungsanbindung zum Thema in maximal 10 Minuten vorstellt und es Zeit für Rückfragen und die Entwicklung weiterführender Projektideen gibt.