Sie sind hier: StartseiteStudiengruppen / Frankfurt School of Hope

Frankfurt School of Hope

Leitung und Konzeption: Prof. Dr. Heidi Liedke

Weitere Informationen auf der School-website: frankfurtschoolofhope.com (in progress).

Kontakt: liedke@em.uni-frankfurt.de

(For the English version scroll down)

Profil

Hoffnung scheint ein Begriff zu sein, der fast jedem geläufig ist. Doch obwohl es in der Psychologie eine ganze Disziplin gibt, die sich mit dieser menschlichen Fähigkeit befasst (Hope Studies), und das Thema von der antiken Philosophie bis zur Philosophie des 21. Jahrhunderts behandelt wurde, wird es in der Literatur- und Kulturwissenschaft selten berücksichtigt. Kurz nach der Finanzkrise 2008 wurde der Begriff in das Kunstwort „Hopium” (ein Portmanteau-Wort aus Hoffnung und Opium) integriert, das als Slang im Finanz-Wesen verwendet wurde, um die Tendenz zu beschreiben, an einer Aktie festzuhalten, selbst wenn ihr Kurs weiter fiel. In den 2020er Jahren bezeichnet „Hopium” mittlerweile „alle Arten von wahnhaften Hoffnungen” (Taylor 2024). Wie ist es möglich, dass „Hoffnung“ sowohl das Motto von Barack Obamas Präsidentschaftskampagne 2008 war als auch in anderen Kontexten synonym mit „Wahnvorstellung“ oder „Naivität“ verwendet wird? Warum vermeiden die meisten geisteswissenschaftlichen Disziplinen dieses Thema gänzlich?

Ausgehend von diesen und ähnlichen Fragen stellt die Frankfurt School of Hope (FSH) eine kritische Untersuchung des Begriffs „Hoffnung“ in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Insbesondere glaubt die FSH an das Potenzial von Erzählungen und Geschichten und deren Verbindung zum Ausdruck von Hoffnung. Geschichtenerzählen und Hoffen sind untrennbar miteinander verbunden. Beides sind Praktiken, Verhaltensweisen und Einstellungen, die den Menschen auszeichnen; bisher sind KI und Maschinen nicht in der Lage zu hoffen. Beides ermöglicht es den Erzählenden oder Hoffenden, eine Haltung gegenüber dem Hier und Jetzt einzunehmen, sich Welten vorzustellen und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen. 

Insbesondere Geschichten aus Romanen und Theaterstücken haben den Menschen während der jüngsten COVID-19-Pandemie Hoffnung gegeben (Liedke/Pietrzak-Franger 2021, 134-35). Diese Diskussion beschränkt sich jedoch nicht nur auf Pandemiezeiten (siehe Gammel 2020, Noack 2020, Solnit 2020 & 2016, Wiegand 2020, „Books to Rekindle Hope” 2024, Whitmore 2016). 

Ein Blick auf die Zeit seit der Industrialisierung bietet einen vielversprechenden Untersuchungsrahmen für die Erforschung des Status der Hoffnung in der europäischen Literatur, da deren Geschichte als Reaktion auf verschiedene gesellschaftspolitische Herausforderungen Hoffnungserzählungen in vielfältiger Form hervorgebracht und damit die Verbindung zwischen Literatur und Hoffnung verstärkt hat.

Eines der Hauptziele der FSH ist es, Forscher:innen über nationale Grenzen und Disziplinen hinweg miteinander zu verbinden. Dadurch soll die Hoffnungforschung bzw. Elpilogy (Liedke 2025) zu einem interdisziplinären Feld in Bezug auf ihren methodischen, konzeptionellen und theoretischen Umfang werden.

Die Veranstaltungen und Aktivitäten der FSH konzentrieren sich in der Anfangsphase auf die folgenden drei Forschungsbereiche:

1. MATERIALE/MEDIATISIERTE DIMENSION DER HOFFNUNG: Wie und als Reaktion auf was wird Hoffnung in verschiedenen Arten von (literarischen) Texten dargestellt und wie spiegelt sie eine historisch spezifische Mentalität wider?
Eine Arbeitshypothese lautet, dass Hoffnung insbesondere in Zeiten von vom Menschen verursachten Katastrophen (oder der Polykrise, Tooze 2022) als unmittelbare ästhetische Reaktion zum Ausdruck kommt, die radikal werden kann. Die letzten 250 Jahre bieten ein geeignetes Testfeld, um zu untersuchen, wie sich Hoffnungsäußerungen angesichts sich rasch verändernder gesellschaftlicher Umstände entwickeln. Diese Äußerungen sind äußerst vielfältig und reichen von poetischer, nostalgischer Hoffnung über aktivistische Hoffnung (die mit Lears [2008] radikaler Hoffnung zusammenhängt) bis hin zu spielerischer Hoffnung.

2. ZEITLICHE DIMENSION DER HOFFNUNG: Was ist der Zusammenhang zwischen Hoffnung und Zeitlichkeit – ist Hoffnung zukunftsorientiert, ist sie eine Haltung gegenüber der Gegenwart oder lässt sie die Zeit zusammenbrechen?
Studien zu spekulativer Fiktion, Nachhaltigkeit und posthumanistischer Philosophie (Braidotti 2022, 2002) sowie utopische Studien und utopische Literatur beschäftigen sich mit dem Noch-Nicht. Während Hoffnung oft als das „Noch-Nicht-Hier“ (Bloch) konzeptualisiert wird, auch innerhalb der Queer Studies (Muñoz 2019), ist es notwendig, dieses zeitlich begrenzte Verständnis zu queeren. Hoffnung drückt sich insofern aus, als sie eine Haltung gegenüber der Gegenwart ist, ebenso wie gegenüber der Zukunft und der Vergangenheit. Diese Überlegungen gehen aus der jüngsten queeren Forschung zu Zeitlichkeit und Vergangenheit hervor (Cvetkovich 2003, Love 2009 und Walsh 2023).

3. STRUKTURELLE/PERFORMATIVE DIMENSION DER HOFFNUNG oder HOFFNUNG ALS FORM: Kann Hoffnung auch als formale und ästhetische Kategorie verstanden werden, die hoffnungsvolle Texte von anderen unterscheidet? 
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts experimentieren Autor:innen und Künstler:innen zunehmend mit Formen, um Literatur als Mittel zum Ausdruck der unbeschreiblich komplexen conditio humana zu nutzen, vom Nihilismus des Dadaismus und Surrealismus über die Fragmentierung des Kubismus und Modernismus bis hin zum Verlust jeglicher Gewissheit in der Postmoderne. Gleichzeitig deuten neuere literarische Phänomene auf eine fast konservative Rückbesinnung auf realistischere Erzählweisen hin, als wolle man Geschichten mit mehr Substanz schaffen. Wie Liedke kürzlich argumentiert hat (2024, 2025), hebt Hoffnung diese Dichotomie zwischen „fragmentarisch” und „kohärent” auf und schafft, wenn sie als Form verstanden wird, Erzählungen, die sowohl fragmentarisch als auch kohärent sind. Während dies in einigen Texten nur einzelne Passagen betrifft, ist es in anderen ein bestimmendes Merkmal. Dieser Forschungsbereich befasst sich mit Hoffnung, nicht nur als individueller Emotion, sondern auch in ihrer Entfaltung in einer Struktur von Relationalität, Gemeinschaftsbildung und Performance.

Studiengruppe 

Die FSH verbindet Forscher:innen über nationale Grenzen und Disziplinen hinweg miteinander. Ein wesentliches Ziel der Schule ist es darüber hinaus, fortgeschrittene Masterstudierende, Promovierende und Postdoktorand:innen der Goethe-Universität und anderer Universitäten miteinander zu vernetzen, damit sie ihre laufenden Arbeiten vorstellen, Feedback erhalten und Teil eines florierenden neuen Netzwerks werden können. Die FSH ist somit eine Plattform für Nachwuchswissenschaftler, die mit anderen Wissenschaftlern aus ähnlichen Fachgebieten in Kontakt treten und so ihre eigene Forschung erweitern möchten. 

Die Frankfurt School of Hope verfügt über einen internationalen Beirat aus renommierten Wissenschaftlern. Es werden regelmäßig Gastvorträge von Experten zu diesem Thema und von Wissenschaftlern gehalten, die dieses aufstrebende Forschungsgebiet prägen.

Die Studiengruppe gehört zu zwei Forschungsfeldern des Frankfurt Humanities Research Centre: Materialität und Medialität und Dimensionen der Ästhetik.

Studierende und andere Interessierte sind herzlich eingeladen, an den Veranstaltungen teilzunehmen.

English version:

Hope seems to be a familiar concept to almost everyone. Yet while there is a whole discipline devoted to this human capacity in psychology (hope studies) and the topic has been approached from ancient to 21st-century philosophy, it is rarely considered in literary and cultural studies. Shortly after the 2008 financial crisis, the term was incorporated in the portmanteau word ‘hopium’ (i.e. hope and opium), as slang among financial traders to describe the tendency to hold on to a stock even as it continued to fall. By the 2020s, ‘hopium’ has come to refer to “all kinds of delusional hopes” (Taylor 2024). How is it possible that ‘hope’ was both the slogan of Barack Obama’s presidential campaign in 2008 and is, in other contexts, used synonymously with ‘delusion’ or ‘naivety’? Why do most humanities disciplines evade the topic altogether?

Using these and related questions as a starting point, the Frankfort School of Hope Research (FSHR) puts a critical investigation of the concept ‘hope’ at its heart. In particular, the FSHR believes in the potential of narrative and storytelling and their connection to expressions of hope. Storytelling and hoping are intrinsically related. Both are practices, modes and attitudes that characterize humans; for now, at least, AIs and machines cannot hope. Both enable those narrating or hoping to take a stance towards the Here and Now, imagine worlds and create perspectives for the future. Notably, stories told by fiction books and theatre have provided people with hope during the recent COVID-19 pandemic (Liedke/Pietrzak-Franger 2021, 134-35). But this discussion is not only limited to pandemic times (see Gammel 2020, Noack 2020, Solnit 2020 & 2016, Wiegand 2020, “Books to Rekindle Hope” 2024, Whitmore 2016). Looking at the time since the industrialization constitutes a promising testing ground for an investigation of the status of hope in European literatures, as their histories have brought forth hope narratives in varied forms as responses to different socio-political challenges and thus exacerbated the connection between literature and hope.

One of the main goals of the FSRH is to connect researchers across national borders and disciplines. Through this, hope research can become an interdisciplinary field in terms of its methodological, conceptual and theoretical scope.

The events and activities of the FSHR in its initial stages focus on the following three areas of investigation:

1. MATERIAL/MEDIATED DIMENSION OF HOPE: How and in response to what is hope rendered in different types of (literary) texts and how does it reflect a historically specific mentality?
A working hypothesis is that hope is especially expressed in times of human-made disasters (or the polycrisis, Tooze 2022) as an immediate aesthetic response that may become radical. The last 250 years pose a valid testing ground to investigate how expressions of hope emerge in light of rapidly changing societal circumstances. These expressions are likely extremely varied, ranging from poetic, nostalgic hope to activist hope (which is related to Lear’s [2008] radical hope) or playful, ‘juvenile’ hope.

2. TEMPORAL DIMENSION OF HOPE: What is the connection between hope and temporality – is hope future-oriented, is it a stance toward the present or does it collapse time?
Studies on speculative fiction, sustainability and posthumanist philosophy (Braidotti 2022, 2002) and utopian studies and utopian literature are concerned with the not-yet. While hope is often conceptualized as the ‘not-yet-here’ (Bloch), also within queer studies (Muñoz 2019), it is necessary to queer this temporally restricted understanding. Hope expresses itself inasmuch as an attitude towards the present as one towards the future and past. These considerations grow out of recent queer scholarship on temporality and the past (Cvetkovich 2003, Love 2009 and Walsh 2023).

3. STRUCTURAL/PERFORMATIVE DIMENSION OF HOPE or HOPE AS FORM: Can hope also be understood as a formal and aesthetic category which renders hopeful texts distinct from others? 
Since the beginning of the 20th century, there has been an increased formal experimentation among authors and artists to use literature as a vehicle to express the unspeakably complex condition of being human, from the nihilism of Dada and surrealism, the fragmentation of Cubism and Modernism to the loss of any certainty in Postmodernism. At the same time, more recent literary phenomena point toward an almost conservative harking back to more Realist modes of storytelling, as if to create stories that have more substance. As Liedke has recently argued (2024, 2025) hope dismantles this binary between ‘fragmentary’ and ‘coherent’ and, when understood as form, creates narratives that are both fragmented and coherent. While in some texts, this concerns only passages, in others, it is a defining feature. This area of investigation is concerned with hope, not just as an individual emotion, but as it unfolds in a structure of relationality, community-making and performance.

Studiengruppe

The aim of the School is to connect advanced MA students, PhD students and postdoctoral researchers based at both Goethe University and other universities so they can present their work-in-progress, receive feedback and become part of a thriving new network. The FSHR is a platform for emerging scholars who want to get in touch with other scholars working in a similar area and thus expand their own research. 

The Frankfurt School of Hope Research has an international Advisory Board of renowned scholars. There will be regular guest lectures by experts on the topic and scholars shaping this emerging field.

The Studiengruppe belongs to two research fields of the Frankfurt Humanities Research Centre: Materiality and Mediality and Dimensions of the Aesthetic.

Students and other interested people are very welcome to participate in the events.