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Frühe Neuzeit

Werkstatt Frühe Neuzeit

An der Goethe-Universität forschen Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachperspektiven und mit diversen Methoden zu Themen der Frühen Neuzeit. Ein während des Semesters einmal im Monat öffentlich stattfindendes Werkstattgespräch bringt diese Wissenschaftler*innen aller Qualifikationsstufen über die Fächergrenzen hinweg in einen regelmäßigen Austausch und führt so Vertreter der Geschichte, Judaistik, Altphilologie, Kunst- und Rechtsgeschichte, Religions- und Literaturwissenschaft zusammen. Die Werkstattgespräche bieten die Gelegenheit, eigene Forschungsprojekte und -ergebnisse vorzustellen, gemeinsam Quellen, Theorie- und Sekundärtexte zu lesen, neue methodische Ansätze sowie aktuelle Forschungsfragen zu diskutieren.

Die Rede von der ‚Frühen Neuzeit’ soll dabei lediglich einer ersten begrifflichen Bündelung einiger Interessenschwerpunkte dienen und ist keineswegs als Geste der Ausgrenzung oder der Landnahme zu verstehen. Auch wollen wir sie nicht im Sinne einer Festschreibung prekär oder gar obsolet gewordener Epochengrenzen verstanden wissen. Vielmehr kommt in unserem ersten Semester gemeinsamer Arbeit diese taxonomische Formel sowie auch die mit ihr konkurrierenden Begriffe und Konzepte selbst auf den Werkstatttisch um untersucht, diskutiert und vielleicht überschrieben zu werden.

Gäste sind herzlich willkommen!

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Rebekka Voß (Judaistik)

Prof. Dr. Christina Lechtermann (Germanistik)

Prof. Dr. Birgit Emich (Geschichte)

Wenn Sie über unser aktuelles Programm informiert werden möchten, können Sie hier unsere Mailingliste abonnieren: http://dlist.server.uni-frankfurt.de/mailman/listinfo/WerkstattFrueheNeuzeit

 

SOMMERSEMESTER 2019

In diesem Semester geht es um die Geschichte der Sinne. Wir möchten die Diskussion von theoretischer Literatur mit Quellentexten aus den verschiedenen Fachdisziplinen verbinden.

8. Mai: Geschichte (Birgit Emich, Marco Carvazere):

Hören - Frühneuzeitliche Klanggeschichte

Zur Einführung möchten wir zum allgemeinen Einstieg zunächst ein Kapitel aus Robert Jütte: Die Geschichte der Sinne. Von der Antike bis zum  Cyberspace, München 2000, S. 72-99 lesen. Es geht um die gelehrte Präsentation der Rangordnung der Sinne in der Vormoderne.

Anschließend soll es als Beispiel aus der historiographischen Praxis konkret um die Klanggeschichte gehen, die sich in der FNZ ja einiger Beliebtheit erfreut:

Marian Füssel: Zwischen Schlachtenlärm und Siegesklang. Zur akustischen Repräsentation von militärischer Gewalt im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), in: Krieg und Frieden im 18. Jahrhundert. Kulturgeschichtliche Studien, hrsg. von Stefanie Stockhorst, Hannover 2015, S. 149-166.

Hierzu stellen wir zudem noch einen aktuelleren Forschungsüberblick zur Sound History zur Verfügung:
Jan-Friedrich Missfelder: Der Klang der Geschichte. Begriffe, Traditionen und Methoden der Sound History, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 66 (2015), S. 633-649.

 

5. Juni: Romanistik (Christine Ott):

Geschmack und Geruch

 

3. Juli: Germanistik und Judaistik (Robert Seidel, Rebekka Voß):

Sehen - Zeitgenössische Diskurse zum visus in der lateinischen und jiddischen Literatur der Frühneuzeit

 

Die Texte für die Sitzungen werden über die Mailingliste jeweils rechtzeitig vor der Sitzung verschickt.

WINTERSEMESTER 2018/19

In diesem Wintersemester stehen die Mittwochskonferenzen unter dem Jahresthema „Kategorien der Differenz“, sprechen werden u.a. Stefan Hirschauer, Paula-Irene Villa und Thomas Bauer (das ausführliche Programm findet sich ebenfalls auf der Homepage des FZHG). Wir wollen das Programm der Vorlesung in der ‚Werkstatt‘ durch die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Beiträgen zum Thema ‚Kategorien der Differenz’ begleiten und haben dazu einige Lektürevorschläge, bisher nur aus Geschichte und Literaturwissenschaft, zusammengetragen. Sie betreffen Differenzkategorien wie Heiligkeit, Immanenz und Reinheit und bilden damit ein eigenes kleines thematisches Cluster, das wir über die beiden Termine, die für die gemeinsame Lektüre bestimmt sind, verteilen könnten. Z.B. in folgender Weise:

19. Dezember 2018

(Vorschläge Literaturwissenschaft:)

Strohschneider, Peter: "Inzest-Heiligkeit. Krise und Aufhebung der Unterschiede in Hartmanns ‚Gregorius‘", in: Geistliches in weltlicher, Weltliches in geistlicher Literatur des Mittelalters, hrsg. von Christoph Huber, Burghart Wachinger und Hans-Joachim Ziegeler, Tübingen 2000, S. 105-133. [unter Bezugnahme auf die Terminologie von Luhmann, Gesellschaft (1997), Bd. 1, S. 230-249, der entsprechende Auszug würde mitgelesen].

Daran anschließend vielleicht noch: Hammer, Andreas; Seidl, Stephanie: "Die Ausschließlichkeit des Heiligen. Narrative Inklusions- und Exklusionsstrategien im mhd. Passional", in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 130,2 (2008), S. 272-297.


13. Februar 2019

(Vorschläge Geschichtswissenschaft:)

Speyer, Wolfgang: "Heiligkeit und heiliger Mensch als religionsgeschichtliche Erscheinung", in: Wolf, Hubert (Hg.): „Wahre“ und „falsche“ Heiligkeit. Mystik, Macht und Geschlechterrollen im Katholizismus des 19. Jahrhunderts, München 2013, S. 11-28.

Angenendt, Arnold: "Die Heiligkeit und die Heiligen in der katholischen Kirche", in: Wolf, Hubert (Hg.): „Wahre“ und „falsche“ Heiligkeit. Mystik, Macht und Geschlechterrollen im Katholizismus des 19. Jahrhunderts, München 2013, S. 29-44.

Mary Douglas, Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu, Berlin 1985, Kapitel 3 (= S. 60-78) 

Besonders erinnern möchten wir noch mal an den nächsten Termin der ‚Werkstatt’, den
28. November 2018, erinnern, für den die Judaistik Iris Idelson-Shein gewinnen konnte, die ihr ERC-Projekt über jüdische Übersetzungen im frühneuzeitlichen Europa in der „Werkstatt“ vorstellen wird: Jewish Translation and Cultural Transfer in Early Modern Europe (JEWTACT).

Wie bisher finden unsere Treffen jeweils zwischen 18-20 Uhr im FZHG-Raum IG 1.414 statt.

WINTERSEMESTER 2017/18

Wintersemester 2017/18

Kommentarpraktiken

Das Reallexikon der Literaturwissenschaft kennt zwei Definitionen des Kommentars: Er wird zum einen verstanden als „[m]emorativer, Sachverhalte verschiedenster Art zusammenordnender, im engeren Sinne auch aufschließender (auslegender) Text zu öffentlichem und privatem Gebrauch“. Die zweite Erklärung bestimmt ihn als textuelles Objekt, als „Anmerkungsteil (Erläuterungen) in historisch-kritischen Ausgaben“. Zweifelsohne trifft beides zu, doch geht die Erklärung zugleich an einem wesentlichen Moment des Kommentars vorbei, denn dieser ist zunächst und vor allem eine Geste, die die Welt ordnet – er teilt sie in Kommentar und Kommentiertes. Der Kommentar ist eine Praxis, die Verhältnisse regelt und kommunikative Rollen zuweist, ihm eignet immer eine indexikalische Dimension. Seine z. T. sehr konkrete Marginalität (hinten, unten, an der Seite) fungiert zugleich als Rahmung, die seinem Gegenstand erst Raum gibt. In der Vormoderne etwa konstituiert sich ‚Text’ – im emphatischen Sinne als relevanter, rechtsverbindlicher oder heiliger Text – aus dem nicht selten auch auf der Buchseite sichtbaren Zusammenspiel mit der ‚Glosse’ (Schuhmacher); und das immer neue Hervortreten eines kommentierenden Erzählers, das für den höfischen Roman so sehr kennzeichnend ist, organisiert nicht nur das Verhältnis von Histoire und Narration, sondern generiert zugleich eine Erzählerfigur. Der Kommentar erzeugt den gelehrten ebenso wie er den historischen Text als Kultur- und Wissensgut immer wieder den gegebenen Rezeptionssituationen anpasst und dabei neu bestimmt. Er ist dabei schöpferisch insofern er Verknüpfungen erstellt und neues Wissen erzeugt und zweifelsohne tut er dies nach historisch sehr unterschiedlichen Regeln. Er gehört zu den Wissenspraktiken der Philologie und ist zugleich als deren andere ‚dunkle’ Seite nicht selten bestimmt von einem „Begehren nach Vollständigkeit“, einem „Verlangen nach Überfluß“ (Gumbrecht), das das Wachstum der Kommentare ins Unüberschaubare vorantreibt. Als Parergon kann er das Ergon ggf. überbieten und lässt es womöglich nur noch als sichtbare Leerstelle zurück (Derrida).

In der digitalen Moderne sind Kommentarpraktiken zu einem zentralen Moment von Kommunikation und Interaktion geworden – sei es in journalistischer Breite, sei es in Abbreviatur. In Kommentarpraktiken überkreuzen sich Zurückhaltung und Anmaßung, ihnen eignet en Moment des Agonalen und Offensiven ebenso wie des Heimlichen, nur beiseite Gesprochenen – der Kommentar des Programmierers ist gerade der Teil eines Programms, den die Maschine nicht lesen kann, den zu laut gewisperte Kommentar zu einem Vortrag soll man vernehmen, aber nicht verstehen.

Die Frage nach Kommentarpraktiken steht quer zu verschiedenen Forschungsgebieten und betrifft dabei ebenso Teile ihrer Gegenstandsbereiche wie der jeweiligen fachlichen Methoden. Sie könnte daher für die in der Werkstatt versammelten Fächer einen interessanten gemeinsamen Anknüpfungspunkt bieten.

 

Programm: 

 

6.12. 2017 (18.00 c. t., im Raum des FZHG (IG 1.414))

Lektüresitzung. Diskussion folgender Texte: 

Assmann, Jan: Text und Kommentar. Einführung, in: Ders./ Burkhard Gladigow (Hg.): Text und Kommentar. Archäologie der literarischern Kommunikation IV. München 1995, S. 9-33  (online: http://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00041087_00001.html)

Gumbrecht, Hans Ulrich: Fill up Your Margins! About Commentary and Copia, In: Most, Glenn W. (Hrsg.): Commentaries - Kommentare, Göttingen 1999, S. 443-453. 

Most, Glenn W.: Preface, In: Ders. (Hrsg.): Commentaries - Kommentare, Göttingen 1999, S. VII-XV. 

 

17.01.2017 (18.00 c. t., im Raum des FZHG (IG 1.414)) Präsentation und Diskussion fachspezifischer Anknüpfungspunkte

Geschichte

Germanistik FNZ/ ÄdL

[ggf. Kunstgeschichte]

 

7.2. 2018 (18.00 c.t., im Raum des FZHG (IG 1.414)) Präsentation und Diskussion fachspezifischer Anknüpfungspunkte

Judaistik

Rechtsgeschichte

Anglistik

Romanistik

SOMMERSEMESTER 2017

Sommersemester 2017

Programm Sommersemester 2017

Mi 18-20 Uhr in IG 1.414 (FZHG-Sitzungsraum)

 

Thema: Epochengrenze Spätmittelalter – Frühe Neuzeit

1) 10. Mai 2017: Religions-/Reformationsgeschichte

Berndt Hamm, Abschied vom Epochendenken in der Reformationsforschung. Ein Plädoyer, in: Zeitschrift für historische Forschung 39 (2012) S. 373-412.

Harm Klueting, Martin Luther zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: SZRKG, 104 (2010), 437–457.

 

2) 7. Juni 2017: Literatur

Christiane Caemmerer u. a.: Einleitung. In: Das Berliner Modell der Mittleren Deutschen Literatur. Hg. von Christiane Caemmerer u. a. Amsterdam/Atlanta 2000, S. 1-9.

Das Konzept 'Mittlere Deutsche Literatur' wird in demselben Band S. 469-494 von Hans-Gert Roloff, der es maßgeblich entwickelt hat (und bis heute daran festhält), ausführlicher vorgestellt.

 

3) 28. Juni 2017: Jüdische Geschichte & Systemtheorie:

David Ruderman: Early Modern Jewry: A New Cultural History (Princeton 2010), Einleitung, S. 1-21

Luhmann, Niklas: Das Problem der Epochenbildung und der Evolutionstheorie, in : GUMBRECHT, Hans Ulrich/LINK-HEER, Ursula (Hg.), Epochenschwellen und Epochenstrukturen im Diskurs der Literatur- und Sprachhistoric (stw486) , Frankfurt a.M . 1985, S. 11-33.

 

4) 5. Juli 2017: Diskussion mit Bernhard Jussen & David Ruderman

Bernhard Jussen, Richtig denken im falschen Rahmen? Warum das „Mittelalter“ nicht in den Lehrplan gehört, in: GWU Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 67, 2016, S. 558-576.

David Ruderman: Early Modern Jewry: A New Cultural History (Princeton 2010), Appendix: Historiographical Reflections, 207-226