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Forschungsfeld 6: Nach dem Eurozentrismus

Profil

Wenn es um Phänomene kultureller Stabilisierung und Stabilität geht, leiden die Geisteswissenschaften kaum noch unter Verständigungsschwierigkeiten. Sie haben in den letzten rund 50 Jahren ein breites Instrumentarium zur Erforschung kultureller Reproduktion erarbeitet. Stichworte wie Habitus und Diskurs, institutionelle Mechanismen und Struktur verweisen auf elaborierte, breit diskutierte und akzeptierte Standardmodelle historischen Deutens. Sie bieten einen brauchbaren Diskussionsrückhalt für die Erforschung kultureller Re-produktion.

Viel schlechter steht es, wenn nicht Reproduktions-, sondern Transformationsphänomene zu erklären sind. Die Wissenschaftssprache ist dominiert von intuitiv prozessorientiertem Vokabular (Modernisierung, Bürokratisierung, Differenzierung, Assimilierung, Integration, Akkulturation, usw.) und von Veränderungsmetaphern. Zwar gehören die Defizite intentionaler, kausaler, funktionaler, strukturaler, entwicklungsgeschichtlicher, teleologischer oder psychologischer Deutungsmodelle heute zum Proseminarwissen, und schnell lassen sich entsprechende Erklärungsmodelle dekonstruieren. Aber welche Alternativen gibt es? Wie kann der Wandel komplexer sozialer Konstellationen wissenschaftlich erfasst werden? Derzeit ist von einer Methodologie historischer Transformationsforschung noch kaum etwas zu erkennen – weder als Phänomengeschichte (historische Transformationslogiken), noch als Disziplingeschichte (wissenschaftliche Transformationsmodellierung). 

Das Forschungsfeld 6 arbeitet an dieser Methodendiskussion mit Hilfe verschiedener empirischer Test-Anordnungen, insbesondere mit Blick auf (1) Christianisierungen, (2) Personalentscheidungen, (3) Ressourcenregime.

ORGANISATION

Prof. Dr. Bernhard Jussen
Prof. Dr. Hartmut Leppin

REFERENZLITERATUR

  • Baumgartner, Hans Michael, Kontinuität und Geschichte. Zur Kritik und Metakritik der historischen Vernunft, Frankfurt am Main 1972 (Nd. 1997).
  • Greve, Jens; Schnabel, Annette (Hg.), Emergenz. Zur Analyse und Erklärung komplexer Strukturen, Berlin 2011 (hier bes. Kap. II).
  • Hoffmann, Arnd, Zufall und Kontingenz in der Geschichtstheorie. Mit zwei Studien zu Theorie und Praxis der Sozialgeschichte. Frankfurt Main 2005 (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 184).
  • Luhmann, Niklas, Evolution, in: Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft Bd. 1, Frankfurt am Main 1997, S. 413-594 (Hier S. 569: Evolution und Geschichte).

VERBUND-, GRUPPEN- UND EINZELFORSCHUNGEN

  • Reinhart Koselleck-Projekt "Christianisierungen im Römischen Reich" 
    Prof. Dr. Hartmut Leppin  

PROJEKTGRUPPEN

  • Ressourcenregime und Schwächesdiskurse
    Beteiligte ProjektleiterInnen: Prof. Dr. Iwo Amelung, Dr. Benedetta Albani, Prof. Dr. Albrecht Cordes, Prof. Dr. Thomas Duve, Prof. Dr. Moritz Epple, Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Prof'in. Dr. Heike Holbig, Prof. Dr. Bernhard Jussen, Prof'in. Dr. Elisabeth Kaske, Prof. Dr. Hartmut Leppin, Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Prof. Dr. Werner Plumpe, Prof'in. Dr. Luise Schorn-Schütte, Prof'in. Dr. Susanne Schröter, Prof'in. Dr. Annette Warner
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Koordination): Andreas Litschel, M. A. 

STUDIENGRUPPEN