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Forschungsfeld 4: Historische Semantik

Profil

Grundlage historisch-semantischer Forschung ist die Annahme, dass Bedeutung situativ bedingt und instabil ist, gleichwohl in ihrer Fluktuation immer wieder und über längere Zeit eingeschränkt oder stillgestellt werden kann.

Als eine an Sprache orientierte Wissenschaft hat sich die Historische Semantik in der Geschichtswissenschaft seit den 1960er Jahren etabliert. In den letzten beiden Dekaden begann eine Neuausrichtung. Historische Semantik wird nun als eine Wissenschaft entworfen, die vergleichend die Bedingungen, Medien und Operationen der Sinnerzeugung in vergangenen Gesellschaften erforscht. In dieser Neuausrichtung fragt Historische Semantik nach den anthropologischen, psychologischen, soziologischen wie technischen Voraussetzungen der Bedeutungsgeflechte, mit denen Kulturen ihr Wissen und ihre Orientierungen ausdrückten und organisierten. Dabei geht es besonders um die unterschiedlichen Einsatzweisen, Potentiale und Semantisierungsmöglichkeiten der verschiedenen Ausdrucksmittel (Sprache, Text, Bild, Klang, Ritual, Habitus).

Historisch spezifische Semantiken lassen sich nur als Dimensionen von Sozialstrukturen erforschen. Sehr unterschiedlich haben Kulturen die Ausdrucksmittel gewichtet, mit denen sie jeweils Bedeutungen erzeugt, durchgesetzt oder bekämpft, reguliert, stabilisiert, marginalisiert oder transformiert haben. Zwischen situativer Vielfalt und diskursiver Fixierung sind Bedeutungen zugleich mikrohistorische und makrohistorische Phänomene, deren Erforschung die Kombination von mikrohistorischer Nahsicht und makrohistorischem Kulturvergleich nahe legt.

Die Grundlagen der Historischen Semantik wurden in den 1960er Jahren gelegt, insbesondere durch die Bielefelder Schule (Reinhard Koselleck), die Cambridge School (Quentin Skinner, John Pocock) und die Schule von Saint Cloud (Jacques Guilhaumou).

ORGANISATION

Prof. Dr. Bernhard Jussen
Prof. Dr. Werner Plumpe

REFERENZLITERATUR

  • Koselleck, Reinhart (2006): Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe, in: Ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt a.M. 2006, S. 211-259.
  • Lüsebrink, Hans-Jürgen (1998): Begriffsgeschichte, Diskursanalyse und Narrativität, in: Rolf Reichardt (Hg.): Aufklärung und Historische Semantik. Berlin, S. 29-44.
  • Luhmann, Niklas (1980-1995): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Frankfurt a.M. Darin besonders: Vorwort zu Band 2, Kapitel 1: Gesellschaftliche Struktur und semantische Tradition (zuletzt abgedruckt in: Stollberg-Rilinger, Barbara (2010): Ideengeschichte. Stuttgart 2010, S. 187-223).
  • Reichardt, Rolf (1998): Historische Semantik zwischen lexicométrie und New Cultural History. Einführende Bemerkungen zur Standortbestimmung, in: Rolf Reichardt (Hg.): Aufklärung und Historische Semantik. Interdisziplinäre Beiträge zur westeuropäischen Kulturgeschichte. Berlin, S. 7–28.

VERBUND-, GRUPPEN- UND EINZELFORSCHUNGEN

  • Historical Semantics Corpus Management
    Prof. Dr. Bernhard Jussen, Prof. Dr. Alexander Mehler, Dr. des. Silke Schwandt
  • Politische Sprachen der Antike
    Sprache der attischen Demokratie im 4. Jh. v. Chr. / Sprache des sich christianisierenden römischen Reiches im 4. Jh. n. Chr.
    Prof. Dr. Hartmut Leppin

STUDIENGRUPPEN