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Mittwochskonferenz

Ist eine Weltgeschichte der Ruinen möglich?

Alain Schnapp

Der berühmte Satz Stendahls, dass das Kolosseum „heute, wo es in Trümmer fällt, vielleicht schöner ist, als in Tagen seines höchsten Glanzes“ klingt wie ein Paradigma unserer modernen Ästhetik. Die Ruine als Zeichen dessen was sie einmal als intakter Bau war, gilt als eine Erfindung der Renaissance. Georg Simmel zufolge betrachteten die antiken Griechen und Römer Ruinen lediglich als „Stätte des Lebens, aus der das Leben geschieden ist“. War den Griechen und Römer ein mit den Ruinen verbundenes Verständnis des Vergehens und der Zeitlichkeit fremd? Wohnt die Melancholie des Vergangenen nicht auch der antiken Poetik inne? Oder kann erst in Gesellschaften von einer Ästhetik der Ruinen gesprochen werden, in denen zerfallene Gebäude in einem anderen, als ihrem ursprünglichen semantischen Kontext gesehen werden (H. Böhme)? Diesen Fragen will der Vortrag durch eine vergleichende Betrachtung von klassisch-antiken, ägyptischen, mesopotamischen und chinesischen Quellen nachgehen, um aufzuzeigen, dass Ruinen eine Schlüsselfigur des historischen Denkens sind, die wie ein roter Faden die verschiedenen Darstellungen der Ruinen von der Antike bis zur Gegenwart verbindet.

Alain Schnapp ist Professor für Klassische Archäologie an der Université Paris I - Panthéon-Sorbonne und Leiter des Instituts für "Kunstgeschichte und Archäologie".

Veranstaltungsort: IG 411
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