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Mittwochskonferenz

Mittwochskonferenz

"Dimensionen des Ästhetischen"

Vor dem Hintergrund zweier Diagnosen scheint die Unterscheidung zwischen Ästhetischem und Nichtästhetischem heute problematisch geworden zu sein: der kunsttheoretischen von der „Entgrenzung der Kunst und der Künste“ einerseits und der kulturkritischen von der „Ästhetisierung der Lebenswelt“ andererseits. So bezieht sich die Entgrenzungsdiagnose nicht zuletzt auf den Umstand, dass zunehmend Elemente aus vorderhand nichtästhetischen Kontexten in die Kunst aufgenommen werden. Die Ästhetisierungsdiagnose hingegen impliziert, dass vormals nichtästhetische Bereiche wie Politik, Wissenschaft, Religion und Ökonomie durch ein verstärktes Eindringen des Ästhetischen verändert werden. Im Lichte solcher Befunde wird die Frage nach der Grenze zwischen Ästhetischem und Nichtästhetischem freilich nicht obsolet – im Gegenteil, sie stellt sich neu: Ästhetisches und Nichtästhetisches können einander offenbar nicht äußerlich – als klar umrissene Gegenstandsbereiche – gegenübergestellt werden; vielmehr geht es darum, aus den Diagnosen ihrer wechselseitigen Durchdringung ein genaueres Verständnis ihrer Unterschiede zu gewinnen. Dabei ist indes dem Umstand Rechnung zu tragen, dass das, was in den entsprechenden Debatten jeweils als Ästhetisches firmiert, kein einheitliches Phänomen meint. Während der Begriff im ästhetischen Diskurs mit der Kunstautonomie ebenso assoziiert wird wie mit dem angewandten Bereich der Warenästhetik oder des Designs, ist in der kulturkritischen Rede von der Ästhetisierung noch nicht einmal klar, ob hier Phänomene bloß als ästhetisch diffamiert werden, bei denen es sich gar nicht um originär ästhetische Elemente handelt, oder ob – und wenn ja, in welchem Sinne – es hier tatsächlich um ästhetische Momente politischer, wissenschaftlicher oder religiöser Praxis geht. Darüber hinaus sind die aktuellen Grenzdiskussionen in eine historische Perspektive zu rücken. Haben wir es hier wirklich – auf beiden Seiten gleichermaßen? – mit neuen Phänomenen und neuen Problemdiagnosen zu tun? Wenn ja: Welche Rolle spielen technologische und ökonomische Faktoren für die diagnostizierten Entwicklungen? Das Forschungsfeld versammelt Projekte, die die neue, mindestens begriffliche, Unübersichtlichkeit zum Anlass nehmen, in historischer wie systematischer Absicht nach den unterschiedlichen Dimensionen des Ästhetischen zu fragen.

Veranstaltungsort: IG 411
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