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Mittwochskonferenz

Orientierung im Bild

Ralph Ubl

Wenn von der Orientierung eines Bildes die Rede ist, kann Verschiedenes gemeint sein: seine Platzierung im Raum; seine internen räumlichen Eigenschaften, die unabhängig von seiner Lage ein Oben und ein Unten, eine Vorder- und eine Rückseite erkennen lassen; und nicht zuletzt die doppelte Ausrichtung der dargestellten Objekte, die sowohl aufeinander wie auch auf die Blickachse des Betrachters bezogen sind. Bereits diese ersten Unterscheidungen lassen erahnen, dass die Frage, was es heißt, sich in einem Bild zu orientieren, weitreichende bildtheoretische und -historische Probleme aufwirft, denen sich die kunsthistorische Forschung in jüngster Zeit auch verstärkt zugewandt hat. Im Vortrag wird untersucht, worin die Bedeutung dieser Frage für die Kunst der Moderne bestand. Dass sie als dringlich angesehen wurde, belegt die von der Romantik bis zur Nachkriegskunst immer wieder aktuelle Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper als Grund der Orientierung. Besonderes Interesse gilt in diesem Zusammenhang der Lateralität, insofern sich im Richtungsgegensatz von links und rechts Symmetrien und Differenzen überlagern, die den künstlerischen Arbeitsprozess betreffen: die Inkongruenz der beiden Hände, ihr ungleiches Geschick, ihre verschiedenen Funktionen und Werkzeuge, aber auch die Lateralität des Bildfeldes, wie sie in der Verkehrung von Druckplatte und Abzug, Bildwerk und Spiegelbild auffällig wird.

Ralph Ubl ist Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel und Direktor des NFS Bildkritik.

Veranstaltungsort: IG 411
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